Hochsensibilität

Das Thema Hochsensibilität liegt mir besonders am Herzen, da ich selbst zu dieser Gruppe Menschen gehöre.

Durch mein Wissen und meine eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet möchte ich Ihnen hier wertvolle Informationen und Möglichkeiten an die Hand geben, diesen Anteil von sich zu verstehen und ihn liebevoll in Ihr Leben zu integrieren.

Bitte beachten Sie meine speziellen Kurs- und Workshopangebote zum Thema!

In meinem Blog werden Sie auch immer wieder interessante Beiträge über Hochsensibilität finden.

Was ist Hochsensibilität?

Ursprung und Forschungsgeschichte:

Der Ursprung der Thematik hat mit der Sensitivität,  der feinen Wahrnehmung, zu tun. Das Phänomen der Hochsensibilität wurde 1990 erstmals von der amerikanischen Psychotherapeutin und Universitätsprofessorin Elaine Aron beschrieben.  Aus dem Englischen kommt die Benennung „Hochsensible Person“ und daraus leitet sich der Begriff HSP oder HSM (M = deutsch Mensch) ab.
In ihrer damaligen Veröffentlichung beschrieb Dr. Aron hochsensible Menschen und ihre Eigenschaften.
Die Psychologin geht davon aus, dass die Veranlagung zur Hochsensibilität genetisch bedingt ist und ihren Ursprung im Gehirn hat. Sie forscht heute noch auf diesem Gebiet.
Etwa 15 bis 20 % der Bevölkerung besitzt dieses Merkmal. Deshalb erleben sich HSM von klein auf als „anders“. 70 % dieser Menschen sollen introvertiert und 30 % extrovertiert sein.

Schon in den 1930er – Jahren beschäftigte sich der Psychologe Carl Gustav Jung mit Intro- und Extraversion. Dabei entdeckte er einige Eigenschaften von Introversion, die, wie man heute weiß, deutliche Zusammenhänge mit Hochsensibilität aufweisen.
Der russische Wissenschaftler Pawlow setzte in einem Experiment Versuchspersonen einem sehr lauten akustischen Reiz aus, um herauszufinden, wann die Schmerzgrenze erreicht wurde. Dabei stieß er auf eine Gruppe von Testpersonen, die sehr viel früher die Schmerzgrenze erreichte und sich deutlich unterhalb der Normalverteilung der Hauptgruppe befand. Auch hier waren es etwa 15 bis 20 % der Gesamtgruppe; entsprechend der  Verteilung der Hochsensiblen innerhalb der Bevölkerung.

Elaine Aron nannte die Hochsensibilität wissenschaftlich „ sensory processing sensitivity“ (SPS). Als sensorisch werden nur „afferente“ (zuführende) Nervenbahnen im Gehirn bezeichnet, was bedeutet, dass die eingehenden Reize empfindsamer verarbeitet werden.
Dies kann an einer anderen Art der Verarbeitung liegen, beziehungsweise daran, dass die Sinnesorgane eines HSM zwar nicht mehr Reize aufnehmen als die eines Normalsensiblen, sein Gehirn aber dennoch mehr bzw. intensivere Reize verarbeiten muss. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass der Thalamus (Teil im Gehirn; ist für die Filterung von Reizen zuständig) des HSM mehr Reize hineinlässt, die ins Bewusstsein gelangen.

In einer deutschen Studie von 2014 stellte sich heraus, dass HSM eine andere Art der Wahrnehmung (im Sinne von Reizaufnahme) haben, die auch eine andere Art der Verarbeitung dieser Reize bedingt. HSM besitzen eine intuitive Wahrnehmung = sie nehmen auch Informationen auf, die außerhalb ihres Aufmerksamkeitsfokus  liegen. Es werden also viele Reize teil- bzw. unbewusst aufgenommen und es gelangen mehr Reize ins Gehirn.

In den letzten Jahren wurde auch auf neurologischer Ebene zur Hochsensibilität geforscht. Festgestellt wurde eine höhere Gehirnaktivität und Unterschiede im Hirnstoffwechsel.

 

Eigenschaften hochsensibler Menschen

Wahrnehmungen

HSM besitzen eine verstärkte Wahrnehmung von Details, z.B. Zahlen, Schriftdaten, Arrangements in unterschiedlichsten Bereichen und Situationen.
Durch die Kombination aus feiner Wahrnehmung und Gewissenhaftigkeit entsteht oft eine Form von Perfektionismus. Durch diese Genauigkeit brauchen Hochsensible teils länger, um bestimmte Aufgaben zu erledigen.

HSM reagieren empfindlicher auf Außenreize wie z.B. Lärm, Temperatur, Geräusche, Gerüche, Geschmäcke, Farben, Licht oder Berührung. Hochsensible fühlen sich schneller reizüberflutet und haben dadurch ein stark ausgeprägtes Bedürfnis nach Ruhe, Rückzug und Regeneration.

Körperliche Eigenschaften

HSM sind schmerzempfindlicher. Durch die ständige Überstimulation ist das vegetative Nervensystem dauerhaft übererregt.
Reizstoffe in Medikamenten oder in anregenden Lebensmitteln verursachen bei vielen HSM Unwohlsein. So können Kaffee oder Tee z. B. zu rauschartigen Zuständen führen, die dann jedoch schnell in eine Erschöpfung durch Überreizung mündet.
Hungergefühle und Unterzuckerung lösen bei den meisten HSM unangenehme Zustände aus, die sich dann durch eine Beeinträchtigung der Konzentration und der Leistungsfähigkeit zeigen.
Ebenso schlägt sich Schlafmangel unangenehm nieder. Hochsensible benötigen vergleichsweise mehr Schlaf als Normalsensible.

Soziale Kompetenzen

HSM können sich sehr gut in andere Menschen, Tiere und Situationen sowie in sich selbst einfühlen. Zu dieser Empathie gehört es auch, gut zuhören zu können. Durch diese Gabe erkennen und erspüren Hochsensible Gedanken, Emotionen und Motive anderer. Sie registrieren wie ein Seismograph feinste Regungen und Stimmungsschwankungen in ihrem Umfeld, was Fluch und Segen gleichzeitig ist. Das Bedürfnis nach Harmonie ist stark ausgeprägt. So sorgen HSM in Teams und Familien oft für Ausgleich und helfen, Streit zu schlichten.

Persönlichkeitseigenschaften

Wie oben schon erwähnt, sind die meisten Hochsensiblen introvertiert, also eher nach innen gekehrt und schüchtern. Soziale Interaktionen strengen sie an und sie suchen viel Rückzug und Ruhe. Nur ein kleiner Teil der HSM ist extrovertiert, diese Menschen mögen es, sich zu zeigen und mitzuteilen. Hier gibt es den Sonderfall der „High Sensation Seeker“ (HSS). Diese kleine Gruppe unter den Hochsensiblen ist extrem introvertiert und gleichzeitig extrem extrovertiert. Ihr Leben ist eine ständige Gratwanderung zwischen dem für HSM so typischen Schutz- und Ruhebedürfnis und dem dringenden Bedürfnis, angeregt zu werden oder zu sein. Das Leben dieser Menschen verläuft in Phasen: mal sind sie ständig unterwegs, immer präsent und agil und dann wiederum sind sie wie vom Erdboden  verschluckt und nicht mehr erreichbar.

Viele Hochsensible sind telepathisch veranlagt und extrem intuitiv.

HSM haben einen hohen Gerechtigkeitssinn, weshalb sie sich oft in sozialen Projekten engagieren.

HSM sind „Sinnsuchende“, sie denken länger über Ereignisse nach, versuchen deren Sinn zu erfassen, suchen nach Querverbindungen oder nach einem tieferen Verständnis der Welt.

Viele Hochsensible sind in einem oder mehreren Bereichen (musikalisch, künstlerisch, mathematisch …) hochbegabt.

Eine weitere Sondergruppe unter den Hochsensiblen sind die sogenannten Scanner. Es sind diejenigen Hochsensiblen, die durch ihre vielen Interessen und Talente für die Umwelt sprunghaft und unstet erscheinen. Sie selbst haben große Schwierigkeiten, sich für eine Richtung in ihrem Leben zu entscheiden.

Hochsensible fühlen sich mit Menschen ihrer näheren Umgebung, mit der Natur und der Erde auf seelischer Ebene tief verbunden.

Aufgrund all dieser besonderen Eigenschaften, die Hochsensible ausmachen, erzählen diese Menschen, dass sie sich zeit ihres Lebens anders fühlen.

Hochsensibilität: Fluch oder Segen?

So lange ein HSM nicht um seine Besonderheit weiß, wird ihm sein Persönlichkeitsmerkmal eher zum „Fluch“ sein, da er sein Anderssein in Bezug auf seine Umgebung immer als kompliziert oder gar verkehrt werten wird.
In dem Moment, in dem er erkennt, dass er zu dieser Spezies gehört, wird sein Leben leichter. Plötzlich lassen sich all die Persönlichkeitsmerkmale, durch die er sich immer anders oder gar falsch gefühlt hat einordnen und bekommen so ihre „Daseinsberechtigung“. Sein in Mitleidenschaft gezogenes Selbstwertgefühl darf sich rehabilitieren!
Aus dem gewohnten Denkmuster „ ich bin verkehrt“ darf das Gefühl wachsen, sogar besondere Fähigkeiten zu besitzen.
HSM können dann ihren Alltag und ihr Leben auf ihre besonderen Bedürfnisse ausrichten: sich mehr Ruhepausen gönnen; den Reizinput verringern, indem sie gezielter aussuchen, wo sie sich aufhalten oder auch Schutzrituale erlernen, damit sie nicht alle Gefühle und Stimmungslagen ihrer Umwelt aufnehmen.
Wenn ein Hochsensibler gelernt hat, zu akzeptieren, dass er so ist, wie er ist und sich sein Leben wie oben beschrieben eingerichtet hat, dann wird die Hochsensibilität mehr und mehr zum Segen! Dann wird es zum Geschenk für alle, dass diese Menschen so empathisch, so gewissenhaft, so querdenkend, so harmoniebedürftig undso tiefgehend sind.

Wie erkennen Menschen, ob sie hochsensibel sind?

Um festzustellen, ob man hochsensibel ist, gibt es gute Tests, die in entsprechenden Fachbüchern oder auch im Internet zu finden sind.
Weiterhin wird es immer mehr BeraterInnen und TherapeutInnen geben, die sich mit dieser Thematik beschäftigen und auskennen und HSM begleiten und beraten können.
Da Menschen schon hochsensibel geboren werden, ist es natürlich von besonderer Wichtigkeit, dass Eltern dieses Phänomen ihrer Kinder frühzeitig  erkennen und in die Erziehung und den Umgang mit Ihren Kleinen miteinbeziehen. Denn so können diese Kinder schon früh lernen, dass sie so, wie sie sind, absolut in Ordnung sind und ihre Gaben positiv einzusetzen.
Da das Thema Hochsensibilität immer aktueller und präsenter wird, haben Eltern heutzutage gute Möglichkeiten, an Informationen heranzukommen.

Abschließende Worte:

Da ich selbst, wie oben schon erwähnt, stark hochsensibel bin, weiß ich genau, wovon ich rede.
Auch für mich fügen sich immer wieder viele Puzzleteilchen ineinander, je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftige. Ich komme mehr und mehr da hin, meine extreme Intuition, mein seismographisches Spüren und mein tiefes Verständnis von Zusammenhängen als Schätze zu sehen und in meinem Leben zu integrieren.
Und auf der anderen Seite bringe ich liebevolles Verständnis für mich auf, wenn ich unter Menschenansammlungen jeglicher Art, in Einkaufszentren oder in überfüllten Bahnen in Aufruhr gerate und den Rückzug antrete, weil mir all die Eindrücke auf meinen unterschiedlichen Sinnesebenen zu viel sind.

Tagesseminar: Klopfakupressur für hochsensible Menschen”

Typische Schwierigkeiten bei Hochsensibilität, wie z.B. Erschöpfung, Überforderung, geringere Belastbarkeit oder auch das Gefühl “falsch” zu sein können mit dieser Technik aufgelöst werden.
In diesem Workshop erlernen Sie die Klopftechnik und finden Ihre individuellen Themenbereiche, die zu “beklopfen” sind. So können Sie zu mehr Selbstakzeptanz, Lebensfreude und Leichtigkeit gelangen.
Natürlich gibt es an diesem Tag auch Raum und Zeit für Gespräche und Austausch.

Termine für 2021 erscheinen demnächst.

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Quellenangaben

Harke, Sylvia: „ Hochsensibel Was tun? Der innere Kompass zu Wohlbefinden und
Glück“. Goldmann, München 2019.
Harke, Sylvia: „Wenn Frauen zu viel spüren. Schutz und Stärkung für Hochsensible“.
Knaur Menssana, München 2017.
Reichardt, Eliane: „Hochsensibel. Wie Sie Ihre Stärken erkennen und Ihr wirkliches
Potenzial entfalten“. Irisiana, München 2016.

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